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Datum News
01.10.2012 Majestätisches zum Michaelistag
Westfalenpost, 01.10.2012

Hagen.
In der Johanniskirche beging am Samstagabend eine große Zuhörerschar den Michaelistag mit einer musikalischen Feier. Festlicher Auftakt dieser „Michaelis-Vesper" war die Orgel-Fuge C-Dur BWV 547 mit Marc Jaquet als Solist, eine durch logische Phrasierung gut strukturierte Aufführung, die den unendlichen Fluss der Themenmotive mit Engführung und Umkehrung plastisch verarbeitete bis zum majestätischen Pedaleinsatz in der Augmentation (Verlängerung der Notenwerte) und dem jubelnden Schluss über einem Orgelpunkt im Bass.
Dem gregorianisch einstimmigen Ingressus (Anfang) des Chores „Gott, gedenke mein nach deiner Gnade" folgte die achtstimmige Motette „Richte mich, Gott" von Mendelssohn, die sehr anspruchsvolle Leistungen vom Unisono von Tenor und Bass zu zarten akkordisch geführten Frauenstimmen über filigrane polyphone Verflechtungen bis zu drängenden harmonischen Strukturen fordert. Dem Johannis-Vokalensemble und dem Favoritchor der Johanniskantorei gelangen unangestrengt und leuchtend auch schwierigste Überschneidungen, ebenso im vierstimmigen „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren" (Mendelssohn) mit gut betonten Akzenten und weit schwingenden Melodiebögen. Das Klangvolumen war ausgewogen bis auf einige wenige Sopranstellen, die im Forte forciert und im Piano unterbelichtet klangen.
Im „Air" aus der Orchester-Suite Nr. 3 D-Dur von Bach sangen die Geigen des Barockorchesters Münster, dem Titel entsprechend, so weit die historischen Instrumente mit ihrem dünnen Ton ohne Vibrato es hergaben. Beim „Magnificat" von Vivaldi für gemischten Chor, Oboen, Streicher und Basso continuo profitierte das Orchester vom warmen Klang der Holzbläser. Der Chor interpretierte mit getragenen Akkorden und euphorischen Fugato-Passagen den Text perfekt.
Die Michaelis-Kantate „Es erhub sich ein Streit" BWV 19 von Bach beschrieb den Streit zwischen der „rasenden Schlange" und dem „höllischen Drachen" und dem Erzengel als Bezwinger von „des Satans Grausamkeit", dargestellt in wahnsinnsschnellen, sich aufwärts schraubenden Chor-Fugatos, die nach dem himmlischen Sieg wieder in der Tiefe versanken. Anna Kellnhofer (Sopran) und Rüdiger Husemeyer (Tenor) fügten sich mit schlankem Timbre und himmlisch leicht formulierten Koloraturen in das perfekte Team von Chor und Orchester ein, dieses bereichert durch Trompeten, Pauken, Oboen und Fagott.
Höhepunkt war die betörend schöne Tenor-Arie „Bleibt, ihr Engel, bleibt bei mir" mit dem Trompetensolo „Ach Herr, lass dein lieb' Engelein" im Hintergrund zu beschwingten Vokalisen des Solisten. Nach dem schlichten Abendchoral im Satz von Hans Leo Haßler „Christe, du bist der helle Tag" beschloss die festliche Ouvertüre der Orchester-Suite Nr. 3 D-Dur BWV 1068 von Bach mit Pauken und Trompeten gleichsam als Ausblick auf himmlische Freuden der Gläubigen das überaus erfolgreiche Konzert unter der souveränen Leitung von Manfred Kamp.