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Datum News
19.03.2013 Sensible Interpretation
Westfalenpost 19.03.2013
Meder gelang eine in ihrer kurzen durchkomponierten Form mit sparsamen, aber effektiv eingesetzten Mitteln spannende Version der Leidensgeschichte Jesu. Nach dem Komponisten sucht man in gängigen Biografien der Barockmusiker vergeblich. Martin Geck widmet ihm immerhin einen Nebensatz.
Die Capella Westfalica mit historischen Instrumenten war solistisch besetzt. Mechthild Werner und Christian Friedrich (Violine), kommentierten mit filigraner Umspielung die Jesusworte. Ina Stock und Wolfgang Dey (Oboe und Blockflöte), kamen mit den Geigen in kurzen instrumentalen Abschnitten – Sinfonia oder Ritornell genannt – zu Wort und gaben diversen Arien weiche dunkle Färbung. Martin Burckhardt (Violoncello), Timo Hoppe (Kontrabass), Tatjana Vorobjowa (Orgel) und Sören Leupold (Theorbe) waren für den Generalbass verantwortlich.
Die überdimensionale Basslaute begleitete stets die Worte des Evangelisten, Hauptperson in der Passion. Ausgerechnet dieser Tenor schied krankheitshalber aus. Aber Startenor Dominik Wortig füllte die Rolle auch ohne Generalprobe makellos mit sensibler Interpretation im typisch schlanken Kirchenmusikstil aus. „Er hat die Noten in die Hand genommen, und alles stimmte, vom Blatt gesungen!“ so die Choristen. Sie hatten in den Turba-Chören im Vergleich zu den Bachschen Passionen wenig zu tun. Die oft fugierten Einsätze, Akzente und Generalpausen zur Erhöhung der Spannung saßen in den fünfstimmigen kurzen Einwürfen perfekt.
Andreas Schneider und Elvira Gädeke überzeugten als Petrus bzw. Magd. Reinhold Schreyer-Morlock (Bass) stellte Jesus dar, geborgen im Vertrauen auf Gott, in kritischen Situationen von Angst gepeinigt. Frank Thomaschewskis dröhnender Bass beschrieb den mächtigen Pilatus. Anna Kellnhofer (Sopran) charakterisierte Judas mit hämischer Freundlichkeit und sang die Arien, meist Choräle mit kleinen Variationen, mit inniger Hingabe. Höhepunkt war das Passionslied „O Traurigkeit, o Herzeleid“, in dem die Strophen zwischen Sopran, Chor, Tenor und dem Trio Sopran-Bass-Tenor mit wechselnder Begleitung von Geigen und/oder Flöten aufgeteilt waren. Die Kirchenmusikfreunde aus Hagen und Umgebung freuen sich schon jetzt auf eine Wiederholung.
Von Renate Schmoll
Programmheft