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24.06.2013 Melodien, die den Herzschlag anregen
Das 180. Freitagskonzert am Abend in der Johanniskirche unter dem Titel Jazz auf der Pfeifenorgel war ein Tanz in den Sommer. Der Altarraum war in lichtem Grün angestrahlt. Aber auch so viel versprechende Namen wie Cole Porter, Duke Ellington oder Oscar Peterson hatten die Jugend leider nicht anlocken können: Die Freunde der Kirchenmusik blieben unter sich. Auch Manfred Kamp war seinen Prinzipien treu geblieben: „Alte" Musik auf historischen Instrumenten, klassischer Jazz auf der altgedienten Pfeifenorgel. Sein Mitstreiter am Schlagzeug Christian Bernhard setzte allerdings ungewohnte Akzente, perfekt im Rhythmus wie ein gemeinsamer Herzschlag oder synkopische Pausen füllend, mit zartem Wischen zur Untermalung ruhiger Passagen, dezentem Gong quasi als Echoverstärkung, Trommelwirbeln in turbulentem Wettstreit, wie die Orgel freche trockene Schlusspunkte setzend statt ausgedehnter majestätischer Schlusskadenzen.

Kleine Notemwirbel
Der Organist beherrschte sein Instrument im klassischen Jazz nach allen Regeln der Kunst: Er ließ die Melodien in der rechten Hand in Variationen virtuos mäandern bei ostinatem Rhythmus im Bass, intensivierte die Spannung durch ständige Wiederholung, ließ helle Solo-Register in Höhepunkten aufblitzen. Komplizierte Rhythmen wie bei „Night and day" (Porter) regten den Herzschlag der Zuhörer an, tänzerische Passagen fuhren in die Glieder; man hörte quasi mit dem ganzen Körper. Titel wie „One note samba" (Antonio Carlos Jobim) mit dem entsprechenden Taktschema rüttelten auf. In „Swing five" und „Bossa Nova" hatte Johannes Matthias Michel zwei Choralvorspiele in vielen kleinen Notenwirbeln gut versteckt. Ostinate Quarten-Bewegungen zu eiligen Läufen im Diskant setzten Akzente in „Pas d'envie", Kamps eigener Komposition. Sein „Groovin' eight" bündelte in Schlagzeug- und Orgelbehandlung noch einmal alle Jazz-Merkmale auf virtuose Weise und prägte mit einer in großen Sprüngen auf- und absteigenden Melodie den Personalstil des Komponisten. Die Zuhörer waren begeistert von dieser Körper und Geist erfrischenden „Musik Kur" und freuten sich über eine Wiederholung aus dem letzten Stück als Zugabe.

Westfalenpost Hagen, 24.06.2013
Von Renate Schmoll