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15.11.2011 AM ENDE MINUTENLANGE STILLE
Ergriffenes Publikum nach dem traditionellen Requiem-Konzert in der Johanniskirche
Der Messe vorangestellt wurde die Orchesterserenade Nr. 2 A-Dur von Brahms. Hier fehlten die Violinen, aber Holz- und Blechbläser glichen diesen „Mangel" aus. Kamps agiler Gestik beim Dirigat waren die Ausdrucksformen des Werks abzulesen. Dem im Dreiklangsmodus aufsteigenden Thema der Bläser im 1. Satz antwortete das Echo der Streicher im satten sonoren Klang. Piccoloflöten und Klarinetten zuckten mit Lichtblitzen dazwischen. Ein flottes Scherzo, ein dunkel gefärbtes Adagio, ein Quasi Menuetto - zum Tanzen ungeeignet - und ein Rondo als ausgelassener Kehraus bestätigten dem Werk: geigenloses Experiment gelungen.
Das Requiem des französischen Romantikers Gabriel Fauré, die zu Herzen gehende Komposition eines im Auferstehungsglauben gefestigten Christen, verzichtet weitestgehend auf die Dramatik der Furcht vor der Hölle. Mit der Begleitung für Kammerorchester (ohne Violinen), Harfe (Freya Petrich), Orgel (Barbara Frühauf-Kamp) und Blechbläser ergänzten sich die vielfach einstimmig im Wechsel von Männern und Frauen vorgetragenen Messetexte perfekt. Dem Aufruhr des Orchesters entsprach die bis ins Fortissimo intensivierte Gebetshaltung des Chores beim „Christe eleison", die aber sofort zum tröstlichen Pianissimo zurücksank. Rolf A. Scheiders schlanker flexibler Bariton schwebte beim Mittelteil des Offertoires über den Choralakkorden der Orgel.
Im „Sanctus" faszinierten die Harfenarpeggien und eine in weiten Tonräumen schwingende Sologeige (leider namenlos) zum Kanon der Frauen- und Männerstimmen. Susanna Martin stellte in „Pie Jesu", dem Kernstück der Messe, von leisen Orgelklängen unterstützt, die vom Orchester bestätigt wurden, mit innig zartem warmem Sopran Geborgenheit im Glauben dar.„Dies illa", der Tag des Zorns, wurde von Hornsignalen eingeleitet. Ein Klopfrhythmus-Ostinato - quasi Herzklopfen - bei Orgel und Orchester untermalte die einstimmig gesungene Bitte „Libera me" - Rette mich. Das aus einer anderen Liturgie als Schluss hinzugefügte „In paradisum..." - Ins Paradies mögen die Engel dich geleiten - verhauchte friedlich im Pianissimo.
Minutenlange Stille zeigte die Ergriffenheit des Publikums; dann dankten lang anhaltender Beifall und stehende Ovationen den Ausführenden.
Von Renate Schmoll

Westfalenpost Hagen,15.11.2011