Home
Kantorei
Konzerte
Musik
Förderer
Adressen
Links
Impressum

 

Datum News
02.02.2015 Johannis-Vokalensemble lässt die Sonne aufgehen
Westfalenpost Hagen, 2. Juni 2015

Hagen-Mitte. Viele Freunde der Chor- und Orgelmusik trafen sich am Sonntagabend in der Johanniskirche zu einem Konzert mit englischer Musik aus fünf Jahrhunderten. Das Johannis-Vokalensemble stellte eine Atmosphäre inniger Gebetshaltung her, die kaum ein Wort-Gottesdienst erreichen kann. Barbara Frühauf-Kamp, Orgel, bereicherte das Programm und begleitete bei einigen Sätzen den Chor. Die 16 Sängerinnen und Sänger bildeten eine ausgewogene Klang-Einheit, auch bei linearen Fugato-Überschneidungen; das Thema stand immer im Vordergrund. Der Sopran leuchtete in Höhenlagen und formulierte zarte Gebetsbitten und Abschlüsse weich, aber nicht kraftlos. Alt und Tenor setzten sich mühelos und klangschön durch, der Bass bildete darüber hinaus das zuverlässig tragende Fundament.

Akkordische Passagen
Für das Publikum war die Übersetzung der englischen bzw lateinischen Texte hilfreich. Ein anonymer Chor „Freuet euch in dem Herrn allewege" wechselte zwischen polyphonen und akkordischen Passagen. Der Satz von Thomas Talfis (ca. 1505-1585) zu einem Text aus Johannes 14 mit ähnlichen Strukturen umfing das Publikum mit seinem zarten tröstlichen Ausklang. William Byrd (ca. 1540-1623) schloss sein „Ave verum" mit einem hingebungsvollen Schluss-Gebet.
Henry Purcell (1659-1695) war mit Psalm 63, der Romantiker John Stainer mit „Also hat Gott die Welt geliebt" vertreten. Die Orgel leitete den 39. Psalm „Herr, lehre mich doch, dass es ein Ende mit mir haben muss" von Maurice Green (1696¬-1755) ein; Wiebke Caspari und Annekathrin Metz, Sopran, übernahmen im Chor Solopartien, einander umkreisend oder parallel, immer im innig leuchtenden Wohlklang. Der zart verhauchende Schluss war von Todessehnsucht weckender Vollkommenheit. Benjamin Britten (1913-1976) arbeitete in Psalm 70 von 1945 mit erregtem markantem Rhythmus und heftigen Akzenten. „Deus adjuva me!" war ein verzweifelter Hilferuf. Das „Gloria Patri" leitete zu einem Trost spendenden Amen über.

Punktierter Rhythmus
Der Satz „Rest" (Ruhe) des Zeitgenossen Ken Burton bestach durch spannungsgeladene „schräge" Akkorde, die sich spät auflösten. Die Organistin stellte sich mit „Ground (Passacaglia) in a" von Orlando Gibbons (1583-1625) mit einem lebhaften flötigen Mittelteil vor. Präludium und Fuge f-Moll von Händel begannen mit einer majestätischen Einleitung im Plenum, mit punktiertem Rhythmus den Bogen zur französischen Ouvertüre schlagend. Ein Intermezzo für Orgel, basierend auf einem irischen Lied, von Charles Villiers Stanford (1852-1924) vertrat die Romantik; am liebsten hätte man mitgesungen. In dem Konzert ging den Zuhörern nach einem trübseligen Tag die Sonne auf. Die Wiederholung des Talfis-Chores belohnte die begeisterten Konzertgäste für ihren großen Beifall.

von Renate Schmoll