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27.06.2015 Uraufführung „Der Rabe und der Fuchs"
Hagen-Mitte. In der Johanniskirche vertrieb am Sonntag ein Sommerkonzert mit der Johanniskantorei unter der Leitung von Manfred Kamp das trübe Wetter. Sogar eine Uraufführung wurde geboten, und zwar in Anwesenheit des Komponisten. Eine Besonderheit: Wann bekommt man eine Spezies dieser Art leibhaftig zu Gesicht? Otfried Büsing hatte „Der Rabe und der Fuchs", vier Fabeln von La Fontaine für gemischten Chor und neun Instrumente (Bläser und Percussion), komponiert. Zuerst wurden die Charakteristika der Fabelwesen durch die Begleitung vorgestellt: Mit leisem dunklem Ostinato-Rhythmus schleichend der Fuchs. „Der Frosch und der Stier": Ein kleines helles Motiv, dann dumpfe Tuba- und Hörner-Geräusche lauter werdend bis zum Schlagzeug-Knall: Das arme Tier wollte sich zu stierhafter Größe aufblähen und ist geplatzt. „Die Diebe und der Esel": Im sechsstimmigen Kontrapunkt kreuz und quer waren sich die Bläser wie die Diebe uneins. „Der Rat der Ratten": Harte Trommelwirbel und Bläserklänge beklagten den Tod vieler Tiere durch die Katze. Ebenso anschaulich präsentierte der Chor die Texte. Lapidar einstimmig kommentierte er den Verlust des Raben: „...Da fällt der Käse hin."

Scheinbares Durcheinander
Traurig wurde die Reue des Raben besungen: Die Bläser sanken in die Tiefe. Die Frauenstimmen fragten den Stier: „Ist's nun genug?" Der Rat der Ratten verlangte den Sängern einiges ab: Vielstimmige Ablehnung, der Katze eine Glocke umzubinden, jeweils nacheinander einsetzend auf unterschiedliche Texte, bei allem scheinbaren Durcheinander gut einstudiert.

Die Liebeslieder-Kantate von Bernhard Krol (1920-2013) schlug auch ernsthafte Töne an. Sie begann mit einer fröhlichen Weise im Walzertakt: „Ach was mag mein Schatz wohl denken", erzählte aber auch von einer hoffnungslosen Liebe: „Wie bin ich doch verwirret von einer Jungfrau zart." In der 2. Strophe tauchte zu Tenor und Bass eine Tonwiederholungsbegleitung wie Herzklopfen auf. Im Tanzlied zum Schluss streiften melancholische Schatten fröhliche Themen. „ Kein schöner Land in dieser Zeit" verarbeitete in einem A-cappella-Satz schnelle Frauen- zu langsamen Männerstimmen. Zum Schluss erfreute sich das Publikum noch einmal an „Der Rabe und der Fuchs", diesmal mit erheblich mehr Einfühlungsvermögen. Otfried Büsing nahm den lebhaften Beifall des Publikums dankend entgegen.

Westfalenpost Hagen, 24.06.2015