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15.12.2015 Magnificat und Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach in der Johanniskirche
KMD Manfred Kamp führte das Magnificat BWV 243 und das Weihnachtsoratorium 1-3 BWV 248 von Bach auf.
So plastisch, mit inniger Gebetshaltung und jubelnder Verherrlichung der Allmacht Gottes kann keine Predigt das Geschehen der Geburt Christi ausdrücken. Das Johannis-Vokal-Ensemble, Mitglieder der Johanniskantorei und das Forum vocale Arnsberg (Einstudierung: Angelika Ritt-Appelhans) bildeten einen stattlichen Chor, der sich neben der Capella Westfalica auf historischen Instrumenten gut durchsetzen konnte. Triumphale Paukenschläge und Trompetenfanfaren zu eiligem Laufwerk vor allem bei Flöten und Oboen leiteten den „Lobgesang der Maria" an: Im schnellen Fugato einsetzende Chorstimmen mit lockeren, taktsicheren, oft parallel geführten Vokalisen strebten aufwärts. Almut Philipp besetzte mit ihrem festlich strahlenden Sopran die Rolle der Maria, perfekt nach Bachs Vorgabe den Text interpretierend: „Mein Geist freuet sich" in euphorisch aufsteigenden Koloraturen, „die Niedrigkeit seiner Magd" demütig schattiert. Peter Schönes ausdrucksvoll klarer Bass, nur vom Continuo begleitet, betonte die Allmacht Gottes in schier unendlichen Koloraturen.

Sanft schwingendes Terzett
Elvira Bills Alt und Florian Cramers Tenor verschmolzen beim Abschnitt der Barmherzigkeit oft in sensiblen Parallel-Gesängen, perfekt im schlanken Timbre. Das sanft schwingende Terzett „Er denkt der Barmherzigkeit" mit Sopran, Alt und Mezzosopran Andrea Niemand wurde im Orchester von den Oboen mit der uralten gregorianischen Melodie des Magnificat überstrahlt. Der Chorfuge „Wie er geredet hat unseren Vätern" nur mit Continuo folgte ein strahlendes akkordisches Gloria mit vollem Orchester, dazwischen mit schnell aufsteigenden Fugato-Einsätzen. Zum Schluss nahm das „Wie er geredet hat" das Anfangsthema des Magnificat wieder auf: ein triumphierender Ausklang.

Weihnachtsoratorium 1. Teil: Die Menge des Volkes brach zu Beginn mit Pauken und Trompeten in großen Jubel aus: „Jauchzet, frohlocket". Der Abschnitt „Dienet dem Höchsten" hatte kantable Züge. Der Tenor als Evangelist erzählte in Rezitativen die Weihnachtsgeschichte mit sensibler Interpretation: Von der schwangeren Maria wurde liebevoll berichtet.
Der Choral „Wie soll ich dich empfangen", die Stellungnahme der Gemeinde, trug die Melodie von „Haupt voll Blut und Wunden." Die Bass-Arie „Großer Herr und starker König" pries in euphorischem Jubel die Allmacht Gottes.
Teil 2 war der Verkündigung der Frohen Botschaft an die Hirten gewidmet. Die Sinfonia mit schnellen punktierten Geigenmotiven, von sanften Holzbläserpassagen unterbrochen, als Schalmeien-
musik der Hirten gedeutet, leitete die spannungsreiche Szene ein. Der Choral „Brich an, du schönes Morgenlicht“ war nicht nur schlichter Gemeindegesang, sondern brachte „Trost um Freude" mit leuchtenden Farben zum Ausdruck.

Chor der Engel
Der Chor brillierte mit dem Chor der Engel „Ehre sei Gott" mit langen Vokalisen, verschachtelten Einsätze und plötzlichem Schwenk zu sanfter Melodik: „Und Friede auf Erden". Im 3. Teil, vom euphorischen Chor „Herrscher des Himmels" mit vollem Orchester umrahmt, entschlossen sich die verwirrten Hirte zum Gang nach Bethlehem: „Lasset uns nun gehen", wo im Hin und Her die Stimmen in verschiedene Richtungen auseinanderliefen. Ein Höhepunkt war hier die Alt-Arie „Schließe, mein Herze", von Girlanden der Solo-Violine umspielt, ein innige Anbetung des weihnachtlichen Wunders. Der Beifall des Publikums wollte kein Ende nehmen.

Westfalenpost Hagen, 15.12.2015