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13.02.2012 Ein akustisches Bad in Gefühlen
Westfalenpost Hagen, 13.02.2012

Von Vorteil, gegenüber der universitären Fortbildung war das "Bad in Gefühlen" beim Hören einer technisch und interpretatorisch perfekt formulierten Spielweise.
Mit dem Hagener Claudius Kamp (Blockflöten), dem Ukrainer Andriy Khramovych (Barockviola) und der Französin Lucile Perrin (Barockvioloncello), traten Meisterschüler der Musikhochschule Franz Liszt Weimar auf. Als Cembalisten brachten sie den russischen Dozenten Mikhail Jarzhembowski in Vertretung einer taiwanesischen Kommilitonin mit. Ebenso international war ihr Programm, allerdings mit Werken aus Italien, Frankreich, England und Deutschland in Südwestrichtung verschoben.
Star des Abends war die Blockflöte. Kein Vergleich mit den heiseren Schmerzensschreien dieses in Musikerkreisen „Notholz" genannten Stäbchens, die einem beim Üben der Grundschulkinder durch Mark und Bein gehen! Virtuose Läufe waren edel und gleichmäßig wie Perlenschnüre, Sprünge leichtfüßig, getragenes Arioso makellos akzentuiert im Ausdruck. Laute hohe Spitzentöne leuchteten. Im Trio F-Dur für Flöte, Viola und Basso continuo von Telemann war die Bratsche, feiner im Klang als ihre modernen Nachfolger mit typischem leichtem Näseln in höheren Lagen, stimmlich der Flöte unterlegen.
Noch deutlicher kam dies in Telemanns Concerto für Horn und Flöte, hier für Viola und Flöte bearbeitet, zum Ausdruck. In einer Sonata des Engländers Flackton für Viola und Cembalo profilierte sich der Streicher mit ausdrucksvoller Phrasierung und gefühlvoll betonter Melodiebildung. Eine frühbarocke, von Arpeggien und Verzierungen übersprudelnde Suite von Louis Couperin stellte den Cembalisten als Solisten vor mit akrobatischer Beweglichkeit beider Hände. Im Continuo-Spiel herrschte perfekte Kongruenz zwischen Cembalo und Cello.
Die Cellistin als Bass-Partnerin stimmte in Ausdruck und Phrasierung mit den Solisten überein; mit emotional betonten Akzenten vor allem in samtig tiefen Lagen trat sie in den Vordergrund. Die Sonate F-Dur für Bassblockflöte, Viola und b.c. von Carl Philipp Emanuel Bach vermittelte ein seltenes Hörerlebnis. Das riesenlange Rohr mit seinen bauchigen Tönen spielte mit der Bratsche in ausgewogen dezenter Klangqualität. Homogen verschmelzende parallel laufende Klangbänder vertraten schon den homophonen „Galanten" Stil.
Von Renate Schmoll