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01.03.2016 Passionskonzert als musikalisches Drama ohne Worte
Im Mittelpunkt des Passionskonzerts am Sonntagabend in der Hagener Johanniskirche stand diesmal kein dramatisches Oratorium, sondern die Meditation über „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze" von Haydn in der Streichquartett-Fassung.

Jesu Worte sensibel interpretiert
Das Neue Rheinische Streichquartett Köln mit Albert Rundel und Gudrun Höbold, Violine, Cosima Nieschlag, Viola, und Martin Burkhardt, Violoncello, spielten auf modernen Instrumenten mit minimalem Vibrato.
Sie interpretierten Jesu Worte mit hochsensibler Ausdruckskraft; widersprüchliche Gefühle wie Vertrauen, schriller Schmerz und Freude auf die Zukunft im Paradies fanden hier ihren Niederschlag: Ein musikalisches Drama ohne Worte.
Eine „Introducione" leitete das Werk ein, auch diese schon mit schmerzhaften dissonanten Akkorden im Kontrast zu hauchzarten „Seufzer"-Motiven Spannung schaffend. Den sieben Sonatas wurden die Bibelworte vorangestellt. „Vater, vergib Ihnen, was sie tun": Eine sanfte Melodik, in der Wendung nach Moll Furcht vermittelnd, dann die 1. Geige wieder trostreich über dunklem Untergrund. Die Begleitung, häufig in gleichmäßigen Akkorden, klang wie Herzklopfen.
Die 2. Sonata spiegelte zu den Worten „... heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein" in der hohen zarten Melodik der 1. Geige euphorische Vorfreude wider.
Sonata 4 „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen": Düster-schroffe Akkordik, zartes Pianissimo, ein Geigensolo schilderte einsame Trostlosigkeit, ein Motiv aus der Haydn-National-Hymne interpretierte vielleicht die Anbetung Gottes als des „Kaisers" der Welt. „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist": Die fallende Terz übersetzte die Anrede wörtlich in die Musiksprache. Schmerzliche Passagen mit intensiven Akzenten wechselten mit Geigengesang zu Herzklopfen in Cello und Bratsche, bis auch dieses verstummte. Das „Terremoto" (Erdbeben) mit brutalem Tremolo und schrillen Akkorden kreuz und quer erschütterte die Zuhörer.
Die Johanniskantorei unter der Leitung von KMD Manfred Kamp tat sich mit selten aufgeführten Chorsätzen hervor, begleitet von den Streichern und Barbara Frühauf-Kamp am Orgel-Positiv.

Schlichte Akkordstrukturen
Haydns Bruder Johann Michael komponierte in Salzburg als Kollege und Nachfolger des Organisten Mozart viele Kirchenmusikwerke. Die Kantorei interpretierte sein „Christus factus est", vorwiegend in schlichten Akkordstrukturen zu kanonartigen Einsätzen, mit aus drucksvollen Akzenten. Das Stimmvolumen war ausgewogen, der Sopran überstrahlte in (nicht allzu) hohen Lagen die übrigen Stimmen, wie im „Agnus Dei" schwebend über allen anderen. Äußerst selten ist Johann Michael Bach (1648-1694), Johann Sebastians Onkel, in Kirchenkonzerten vertreten. Die Choralmotette für fünfstimmigen Chor, Streicher und Orgelpositiv „Das Blut Jesu Christi" verfasste den Bibeltext im barocken Fugato-Modus mit wechselnden Einsätzen, worüber der Sopran anschließend eine Choralstrophe in langsamem Tempo sang.
Ein nachdenklich stimmendes Konzert, technisch wie in der Interpretation gut ausgeführt: Der lebhafte Applaus des Publikum bewies das.

Westfalenpost Hagen, 01.03.2016