Konzertplakat Pfingstkantate BWV 34

Kantaten- und Mitsing-Gottesdienst · Pfingstsonntag

O ewiges Feuer,
o Ursprung der Liebe

Johann Sebastian Bach – Pfingstkantate BWV 34

St. Johanniskirche Lüneburg · Sonntag, 24. Mai 2026, 11 Uhr

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Datum

So, 24. Mai 2026

Beginn

11:00 Uhr

Spielort

St. Johanniskirche

Eintritt

frei · Kollekte

Programm

Die aufgeführten Werke

Johann Sebastian Bach (1685–1750)

O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe

Pfingstkantate · BWV 34 · BC A 84

Besetzung
Chor, Alt-Solo, Orchester
Trompeten
3 + Pauken
Dauer ca.
20 Minuten

Zusätzlich: Drei Choralsätze von Johann Sebastian Bach – gemeinsam mit der Gemeinde gesungen.

Hinweis zum Format: Diese Aufführung ist ein Kantaten- und Mitsing-Gottesdienst, kein reines Konzert. Neben der Musik gibt es eine Predigt durch Regionalbischöfin Marianne Gorka. Die Gemeinde singt drei Choralsätze Bachs mit.

Teil des Festivals „Wer singt, blüht auf!" – Mitsingfestival der Landeskirche Hannovers, 2.–25. Mai 2026.

Werkeinführung

Musik als brennende Erscheinung

Es gibt Kantaten Johann Sebastian Bachs, die ihre Wirkung aus theologischer Innigkeit beziehen – und andere, die wie ein musikalischer Festakt unmittelbar in den Raum treten. O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Schon der eröffnende Chor scheint weniger zu beginnen als vielmehr aufzuleuchten: ein flammender Klangraum, erfüllt von festlichem Trompetenglanz, pulsierenden Streichern und jener jubelnden Energie, die Bach für hohe kirchliche Feiertage reservierte. Musik als brennende Erscheinung – kaum ein anderes Werk des Leipziger Kantatenjahrgangs setzt die Symbolik des Pfingstfestes derart sinnlich und unmittelbar um.

Pfingsten ist in der christlichen Tradition das Fest des Heiligen Geistes, der in Gestalt von Feuerzungen auf die Jünger herabkommt. Bach übersetzt dieses Bild nicht illustrativ, sondern strukturell in Musik. Das „ewige Feuer" des Eingangschores ist kein bloßer rhetorischer Effekt, sondern prägt den gesamten musikalischen Satz: die rastlose Bewegung der Instrumente, die ausgreifenden Koloraturen des Chores und die leuchtende Harmonik erzeugen einen Eindruck ständiger Energieentfaltung. Besonders bemerkenswert ist dabei, wie Bach Festlichkeit und geistliche Bedeutung verschränkt. Die Musik besitzt die Strahlkraft höfischer Repräsentation und zugleich eine fast mystische Intensität.

Die Entstehungsgeschichte des Werkes macht seine besondere Stellung innerhalb von Bachs Œuvre noch interessanter. Die heute bekannte Pfingstkantate BWV 34 basiert auf einer älteren Hochzeitskantate gleichen Titels. Bach griff also auf weltliche beziehungsweise festlich-private Musik zurück und transformierte sie für den liturgischen Gebrauch. Dieser Vorgang der sogenannten „Parodie" – im Barock ein völlig legitimes und hochgeschätztes Kompositionsverfahren – ist hier besonders faszinierend zu beobachten. Denn die musikalische Grundidee bleibt dieselbe: Liebe als verbindende, lebensstiftende Kraft. Was im ursprünglichen Kontext auf die eheliche Verbindung zielte, erhält im Pfingstgottesdienst eine universale, göttliche Dimension.

Originalpartitur BWV 34 – handschriftlicher Ausschnitt
Originalpartitur · Eingangschor BWV 34

Gerade darin zeigt sich Bachs außergewöhnliche Fähigkeit zur musikalischen Bedeutungsverschiebung. Die Musik verliert nichts von ihrer sinnlichen Wärme, sondern gewinnt durch den neuen Kontext zusätzliche Tiefenschichten. Wenn im zentralen Alt-Rezitativ von der „vereinigten Zwietracht der wechselnden Saiten" die Rede ist, reflektiert Bach geradezu sein eigenes Komponieren: Aus Gegensätzen entsteht Harmonie, aus Vielstimmigkeit Einheit. Es ist ein poetisches Bild für die Wirkung des Heiligen Geistes – und zugleich eine Beschreibung barocker Musik selbst.

„Aus Gegensätzen entsteht Harmonie, aus Vielstimmigkeit Einheit."

Überhaupt ist diese Kantate von einer bemerkenswerten Balance geprägt. Auf den monumentalen Eingangschor folgt keine bloße Abfolge kleinerer Nummern, sondern eine dramaturgisch fein proportionierte Architektur. Die Arien verzichten auf virtuose Selbstdarstellung zugunsten kantabler Linien und farbiger Instrumentation. Immer wieder öffnet Bach innerhalb der festlichen Klangpracht Räume der Intimität und Sammlung. Gerade dadurch wirkt der abschließende Chor umso überwältigender: „Friede über Israel" entfaltet sich nicht triumphalistisch, sondern mit einer Weite und Gelassenheit, die den festlichen Beginn in eine beinahe utopische Ruhe überführt.

Musikalisch gehört BWV 34 zu den reich instrumentierten Leipziger Festkantaten. Drei Trompeten und Pauken verleihen dem Werk seinen repräsentativen Charakter, während die Holzbläser subtile klangliche Schattierungen beisteuern. Bach denkt hier ausgesprochen orchestral: Der Chor ist nicht bloß Träger des Textes, sondern Teil eines großen, atmenden Klangorganismus. Besonders eindrucksvoll ist die Art, wie sich vokale und instrumentale Linien gegenseitig entzünden, steigern und wieder beruhigen.

Für heutige Hörerinnen und Hörer liegt die Faszination dieser Musik vielleicht gerade darin, dass sie religiöse Erfahrung nicht abstrakt formuliert, sondern unmittelbar körperlich erfahrbar macht. Diese Kantate argumentiert nicht – sie entfacht. Ihre Musik kennt keine distanzierte Betrachtung, sondern zieht das Publikum in einen Zustand gespannter Aufmerksamkeit hinein. Man hört hier nicht nur eine Vertonung des Pfingstgedankens; man erlebt, wie Klang selbst zum Ereignis wird.

Und vielleicht liegt genau darin die bleibende Modernität dieses Werkes: in der Idee, dass Gemeinschaft, Begeisterung und innere Bewegung nicht erklärt, sondern gemeinsam erfahren werden müssen. Bachs O ewiges Feuer ist deshalb weit mehr als eine festliche Kirchenkantate. Es ist Musik über Energie, über Verwandlung – und über die unwiderstehliche Kraft des gemeinsamen Klangs.

Mitwirkende

Wer auf dem Podest steht

Motettenchor St. Johannis – Gruppenfoto auf den Stufen zum Altarraum
Motettenchor St. Johannis

Solistin & Predigt

Alt-Solo
Nicole Dellabona
Predigt
Marianne Gorka, Regionalbischöfin

Chor, Orchester & Leitung

Chor
Motettenchor St. Johannis
Orchester
Lüneburger Kammerorchester
Musikalische Leitung
KMD Ulf Wellner

Spielort

St. Johanniskirche Lüneburg

Bei der St. Johanniskirche 2 · 21335 Lüneburg

Anreise

  • ÖPNV: Bus-Linien 5012, 5013 bis „Am Sande", 4 Minuten Fußweg
  • Bahn: 10 Min zu Fuß vom Hauptbahnhof
  • Auto: Parkhaus Am Sande, Sülztorstraße
  • Fahrrad: Stellplätze direkt vor der Kirche

Einlass

Die Kirche öffnet 45 Minuten vor Konzertbeginn. Bei späterem Eintreffen ist Einlass nur in den Pausen möglich, um die Künstlerinnen und Künstler nicht zu stören.

Garderobe

St. Johannis verfügt über keine Garderobe. Bitte Jacken und Mäntel am Platz behalten.

Toiletten

Toiletten befinden sich in der Kirche links und rechts neben dem Turm. Sie sind ausgeschildert.

Eintritt

Der Eintritt ist frei. Am Ausgang wird um eine Kollekte für die Kirchenmusik gebeten.

Da es sich um einen Gottesdienst handelt, gibt es keinen Kartenvorverkauf.

Foto, Film & Tonaufnahmen

Während des Konzerts sind keine Foto-, Film- oder Tonaufnahmen gestattet – auch nicht mit dem Mobiltelefon. Vielen Dank für Ihre Rücksicht gegenüber Künstlerinnen, Künstlern und Publikum.

Im Konzert

  • Bitte schalten Sie Mobiltelefone aus – auch der Vibrationsalarm stört Aufnahmen.
  • Husten und Räuspern nach Möglichkeit in Pausen oder Satzwechseln.
  • Bonbons bitte vor dem Konzert auswickeln – die Papierfolie ist im stillen Raum hörbar.
  • Applaus erst nach dem letzten Stück, nicht zwischen den Sätzen.

Barrierefreiheit

Barrierefreier Zugang über den Seiteneingang Nord am Turm (linke Seite). Kontakt über den Küster.