Josef Haydn (1732–1809)
Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze
Hob. XX:2
- Besetzung
- Chor, Solisten, Orchester
- Dauer ca.
- 70 Minuten
Oratorienfassung Hob. XX:2
Josef Haydn
St. Johanniskirche Lüneburg · Freitag, 26. März 2027, 19:00 Uhr
Programm
Josef Haydn (1732–1809)
Hob. XX:2
Werkeinführung
Joseph Haydn: Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze, Hob. XX:2
Unter den geistlichen Werken Joseph Haydns nimmt Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze eine besondere Stellung ein. Anders als seine großen Oratorien Die Schöpfung und Die Jahreszeiten erzählt dieses Werk keine ausgedehnte Geschichte. Es hält vielmehr die Zeit an. Sieben kurze Worte, die Jesus nach der Überlieferung der Evangelien am Kreuz spricht, werden zum Ausgangspunkt einer musikalischen Betrachtung über Leiden, Vergebung, Einsamkeit, Vertrauen und Tod.
Die Entstehung des Werkes führt in das südspanische Cádiz. Dort erhielt Haydn 1786 den ungewöhnlichen Auftrag, Musik für eine Karfreitagsandacht zu komponieren. Während der feierlichen Zeremonie wurden die letzten Worte Christi einzeln vorgetragen und in Predigten ausgelegt. Zwischen diesen Betrachtungen sollte die Musik Raum für Besinnung schaffen.
Für Haydn bedeutete dies eine außergewöhnliche kompositorische Herausforderung: Sieben aufeinanderfolgende langsame Sätze mussten entstehen, jeder von eigenem Charakter, jeder mit einer unverwechselbaren Ausdruckswelt. Was äußerlich nach einer strengen Beschränkung klingt, wurde zu einem Meisterwerk musikalischer Empfindungskraft.
Zunächst schrieb Haydn eine reine Instrumentalfassung. Erst rund zehn Jahre später gestaltete er das Werk zu einem Oratorium für vier Solostimmen, Chor und Orchester um. Die Worte Christi werden nun nicht nur instrumental betrachtet, sondern auch durch menschliche Stimmen ausgelegt und vertieft. Der Chor übernimmt dabei eine besondere Rolle: Er ist nicht bloß kommentierende Gemeinschaft, sondern verleiht den Gedanken und Empfindungen der Passion eine unmittelbare menschliche Dimension.
Musikalisch verzichtet Haydn über weite Strecken auf äußere Dramatik. Stattdessen entfaltet er eine erstaunliche Vielfalt innerer Bewegungen. Die Bitte um Vergebung im ersten Wort ist von einer anderen Klangwelt geprägt als die Verheißung des Paradieses. Die fürsorgliche Zuwendung Jesu zu seiner Mutter erhält einen innigen Ausdruck, während der verzweifelte Ruf „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ zu einem der erschütterndsten Momente des Werkes wird.
Gerade in dieser Verbindung von Einfachheit und Tiefe liegt Haydns besondere Kunst. Die Musik schildert nicht nur das Geschehen auf Golgatha. Sie öffnet einen Raum, in dem menschliche Grunderfahrungen hörbar werden: die Sehnsucht nach Trost, das Gefühl des Verlassenseins, die Bereitschaft zur Vergebung und das Vertrauen angesichts des Unausweichlichen.
Eine entscheidende dramatische Wendung bringt der Schluss. Nach dem letzten Wort „Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist“ folgt nicht etwa ein stilles Verklingen. Mit dem Satz Il Terremoto – „Das Erdbeben“ – bricht die zuvor überwiegend verhaltene Klangwelt plötzlich auf. Chor und Orchester schildern in aufgewühlter Bewegung das Beben der Erde beim Tod Jesu. Die Natur selbst scheint auf das Geschehen zu antworten.
Für heutige Hörerinnen und Hörer liegt die besondere Kraft dieses Werkes vielleicht gerade in seiner Zurückhaltung. Haydn zwingt keine eindeutige Empfindung auf, sondern lässt Raum für persönliche Gedanken. Die sieben letzten Worte werden so zu sieben Stationen einer inneren Auseinandersetzung mit den großen Fragen menschlicher Existenz.
Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze sind damit weit mehr als eine musikalische Darstellung der Passion. Sie sind eine Einladung zum Innehalten – und ein eindringliches Zeugnis dafür, wie Musik dort sprechen kann, wo Worte an ihre Grenzen gelangen.
„Die Aufgabe, sieben Adagios aufeinander folgen zu lassen, ohne den Zuhörer zu ermüden, war keine von den leichtesten.“ *Joseph Haydn, Rückblick auf die Entstehung seiner „Sieben letzten Worte“
Mitwirkende
Spielort
Bei der St. Johanniskirche 2 · 21335 Lüneburg
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10 Min zu Fuß vom Hauptbahnhof
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